· 

Komm auf meine Schmusedecke

Im Text verlinke ich an manchen Stellen in andere Shops, die Werbung ist unbeauftragt und unbezahlt.

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mein wohl aufwendigstes Nähprojekt begonnen: Die Schmusedecke! Wenn ihr kleine Kinder habt, kennt ihr vielleicht auch die süßen Clips, die oft beim Sandmännchen kommen, von den Tieren auf der Schmusedecke, die sich gegenseitig immer helfen (oder fressen wollen ;) ).

Meine Tochter liebt die Serie und im Zeichen des ersten Lockdowns kam mir die Idee die Decke für sie nachzunähen. Nach ein bisschen Recherche fand ich sogar das Originalschnittmuster für die Schmusedecke von der Produktionsfirma und so packte mich der Ehrgeiz.

Wie groß solls werden?

Das Originalschnittmuster enthält die Vorlagen für 50 Tiere, die einzelnen Quadrate sind fertig 16x16cm groß. So kann man sich relativ leicht ausrechnen wie groß eine Decke wird, wenn man eine bestimmte Anzahl an Quadraten näht.

 

Ich wollte gerne eine möglichst große Decke, unter die die ganze Familie passt, deshalb war mir klar, dass ich auf jeden Fall alle Tiere nähen möchte.

5x10 Quadrate fand ich aber von den Proportionen her nicht so schön, deshalb bin ich auf 6x9 Quadrate gegangen, also 54, 4 musste ich also noch anders füllen oder Tiere doppelt nehmen.

 

Aber auch so hätte meine Decke nur eine Größe von 96x144cm gehabt (ohne Umrandung etc.) und das war mir immer noch zu klein.

Also habe ich zuerst die Quadrate vergrößert, statt 16x16 messen meine fertig 18x18. Die Tiere und die Ecken habe ich in Originalgröße gelassen und ich finde es fällt auch nicht auf. So kam ich immerhin schon mal auf ein Maß von 108x162cm, schon etwas besser, reichte mir aber nicht.

Um noch mehr Größe zu bekommen, habe ich Rahmen zwischen den einzelnen Quadraten eingesetzt, ich finde das optisch sehr schön, denn es macht die bunte Decke wieder etwas harmonischer.

Die Streifen (Rahmen) zwischen den Quadraten sind jeweils fertig 3cm breit. Das bringt meine Decke auf ein Maß von 123x186cm.

 

Weil mir das aber immer noch nicht reichte um damit 4 Familienmitglieder zu bedecken, kam rundum nochmal eine 25cm breite Umrandung. Meine fertige Decke misst somit 173x236cm.

Die Stoffwahl

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ich habe lange überlegt welche Stoffe ich nehmen möchte, ob ich mich an meinem Fundus bediene oder neu kaufe, ob ich die Decke kunterbunt mache, oder in einer Farbfamilie bleibe.

Es wurden dann viele bunte neue Stoffe.

Gekauft habe ich "Luxus-Baumwolle" (einfach gewebte Baumwolle) bei Stoff&Stil, um die 20 Farben, jeweils 30cm.

Zusätzlich habe ich 10(?) Patchworkstoffe mit kleinem Muster bei Myostoffe gekauft. Aus diesem Stoff habe ich auch die Umrandung genäht (dafür musste ich nochmal 2m nachkaufen) und die Rahmen zwischen den Quadraten (dafür habe ich 1m nachkaufen müssen).

Zusätzlich habe ich 2m Vlisofix für die Applikationen verbraucht.

Der Stoff auf der Rückseite ist ein Nickistoff, den ich auch stückeln musste, ich glaube da hatte ich 3,5m gekauft und zwischen den Stofflagen ist noch eine Lage Volumenvlies. Beides habe ich von Stoff&Stil, beim Volumenvlies ist das Tolle, dass das schon 2,2m breit liegt und man hier nicht stückeln muss.

Insgesamt habe in gut über 200€ dafür gezahlt, trotz Mitarbeiterrabatt bei Stoff&Stil.

Ich habe allerdings von allen bunten Stoffen noch ein bisschen was übrig, ich denke, wenn man sich vorher genau ausrechnet was man braucht, reicht auch weniger Stoff.

 

Nach dem Stoffkauf unbedingt Stoffe waschen, denn verschiedene Stoffe laufen unterschiedlich ein.

Wo fang ich an?

Man kann das Deckenprojekt auf zwei verschiedene Arten anpacken: Entweder man macht Quadrat für Quadrat oder man macht jeden Schritt nacheinander.

Ich habe beides gemacht, die ersten ca. 20 Quadrate habe ich noch einzeln gemacht und kam gefühlt so garnicht voran. Danach habe ich Arbeitsschritt für Arbeitsschritt gemacht, was auch nicht unbedingt weniger Zeit kostet, aber man muss zum Beispiel nicht immer wieder die Schneidematte auspacken und das Vlisofix rauskramen.

Die Arbeitsschritte sind (egal ob man sie Quadrat für Quadrat macht, oder für alle Quadrate direkt in einem Rutsch):

  • Schnitt (spiegelverkehrt) drucken
  • Zuschnitt Quadrat(e) und Ecken
  • Tier(e) auf Vlisofix abpausen (zum Thema Applizieren gleich mehr)
  • Vlisofix grob ausschneiden und auf Stoff aufbügeln
  • Tierteile exakt ausschneiden
  • Ecken aufnähen
  • Tierteile nach und nach aufbügeln und applizieren

Jetzt sind alle Quadrate fertig, egal ob ihr sie einzeln oder alle zusammen gefertigt habt. Wie es dann weiter geht, erkläre ich später.


Noch ein paar Infos zu meiner Decke, wenn es interessiert: Zuerst kam ich ganz gut voran, indem ich Quadrat für Quadrat zugeschnitten, appliziert und genäht hatte, bis zum Sommer ungefähr. Danach war so viel anderes zu tun, dass ich einfach nicht mehr so richtig weiter kam. Mein Ziel war eigentlich bis Weihnachten fertig zu werden, aber ich habs einfach nicht geschafft.

Nach Weihnachten wollte ich das Projekt aber endlich fertig bekommen und habe meine Strategie geändert. Jetzt habe ich direkt alle fehlenden Quadrate zugeschnitten, dann alle Tiere abgepaust etc.

Am meisten Zeit habe ich aber beim Applizieren gespart, indem ich an einem Tag, an dem ich viel Zeit hatte, mir alle fertig vorbereiteten Quadrate (also mit ausgeschnittenen Tierteilen) auf dem Bett sortiert habe, je nachdem mit welcher Farbe ich das nächste Teil applizieren muss. So habe ich dann stapelweise zuerst nur braune Teile appliziert, dann wieder die nächsten Teile aufgebügelt und diese dann wieder auf den jeweiligen Farbhaufen.Das hat mir wirklich richtig viel Zeit erspart, dann ich musste viel weniger das Garn wechseln.


Das Applizieren

Zum Thema Applizieren habe ich euch schon letztes Jahr ein ausführliches Video gedreht:

 

Das Rahmengitter zwischen den Quadraten

So, jetzt sind endlich alle Quadrate fertig und es geht ans Zusammennähen. Doch halt, ich wollte ja noch "Rahmen" zwischen den Quadraten nähen.

Dafür muss ich jetzt nochmal zuschneiden. Da gibt es einen Trick, damit man nicht zu viele Teile aneinander nähen muss.

Wir nähen nämlich zunächst die vertikalen Rahmen als ein Teil zusammen und zerschneiden es dann.

Dazu schneiden wir wie folgt zu (achtet darauf wirklich super genau zu zu schneiden (zum Beispiel mit Rollschneider und Patchworklineal, je genauer geschnitten ist, umso besser passen die Teile später zusammen):

Nun werden die Streifen abwechselnd aneinander genäht mit exakt 1cm Nahtzugabe. Gestartet wird mit einem breiten Streifen:

Anschließend werden die Nahtzugaben auseinander gebügelt und das Stoffstück der Länge nach in 5cm breite Streifen geschnitten. Diese kommen später vertikal zwischen die Quadrate.

 

Jetzt fehlen uns aber noch die horizontalen Rahmen, das ist jetzt wieder ein bisschen Fleißarbeit:

Jetzt solltet ihr wieder etwas Zeit am Stück einplanen, denn nun werden die Quadrate so ausgelegt, wie sie später auf der Decke verteilt sein sollen. Das lasst ihr am besten wirklich so lange so liegen, bis ihr zum Nähen des jeweiligen Teils kommt, deshalb braucht ihr da etwas Zeit am Stück.

Nun nähen wir zunächst die Spalten von oben nach unten zusammen, immer mit einem der kleinen Rechtecke dazwischen, achtet wieder auf die exakte Nahtzugabe. Am Ende überall die Nahtzugaben auseinander bügeln.

Jetzt habt ihr 9 Spalten mit je 6 Quadraten und 5 Rechtecken dazwischen, dazu kommen eure 8 Stoffstreifen, die ihr schon vorhin zusammen genäht hattet, diese werden nun abwechselnd aneinander genäht. Hier solltet ihr darauf achten, dass die Nähte aufeinander treffen. Anschließend wieder die Nahtzugaben auseinander bügeln.

Juhu, jetzt sind endlich alle Quadrate zusammen.

Nun fehlt nur noch die Umrandung außenrum. Da mein Stoff eine Musterrichtung hatte, musste ich hier Stückeln.

Es kommt zusammen, was zusammen gehört

So, die Vorderseite der Decke ist nun fertig, den Nicki für die Rückseite habe ich zusammen gestückelt und noch einen Eisbären appliziert (auf Wunsch der Tochter). Das Volumenvlies liegt bereit. Zeit alle Lagen zusammen zu bringen.

Dazu benötigt man wieder etwas Zeit und vor allem viel freie Bodenfläche, denn die Decke muss einmal glatt auf dem Boden ausgebreitet werden.

Zuunterst habe ich den Nicki mit der linken Stoffseite nach oben gelegt, er ist noch etwas größer als die eigentliche Decke, was übersteht, schneide ich später ab. Darauf kam das Volumenvlies, immer schön drauf achten, dass sich nirgendwo Falten legen. Zum Schluss obendrauf die Vorderseite, mit der rechten Stoffseite nach oben. Rundum mit viiiiiiiiielen Nadeln schön glatt aufeinander stecken. Auch in der Decke (also bei den Tieren) immer mal wieder die drei Stofflagen mit großen Sicherheitsnadeln zusammen stecken, damit nichts verrutscht.

Jetzt kann das was rundum übersteht abgeschnitten werden und die Stofflagen außen am Rand einmal zusammen nähen.

Einmal einfassen bitte

Ich habe die Decke rundum mit einem selbstgemachten XXL-Schrägband eingefasst, dazu habe ich aus den bunten Stoffresten 12cm breite Streifen in unterschiedlicher Länger geschnitten, alle zu einem langen Band zusammengenäht (ca. 8,5m) und dieses Band dann wie ein Schrägband gebügelt (Fleißarbeit) und angenäht.

passt auf, das noch genug Faden auf der Spule ist ;)
passt auf, das noch genug Faden auf der Spule ist ;)

Endspurt: Quilten!

Ja was kommt denn jetzt noch? Die Decke ist doch eigentlich fertig! Fast!

Denn die Stofflagen innerhalb der Decke, bei den Tieren, sind noch nicht miteinander verbunden. Quilten ist eine absolute Kunst und ich bin mir im Klaren darüber, dass ich es bei dieser Decke doch sehr dilettantisch und dahin gehuscht habe (ich wollte einfach fertig werden ;) ). Wenn ihr mehr Zeit und Geduld als ich habt, dann wäre es eine Überlegung wert, die Decke von Hand zu quilten (das habe ich auch schon mal bei einer Decke gemacht, bevor ich Mutter wurde und noch Zeit hatte ;) ). Mit der Maschine quilten hört sich zunächst einfacher an, aber je nach Maschine und Größe der Decke, ist es garnicht so leicht, die Decke unter die Maschine zu bekommen.

Ich habe jedes dritte Quadrat rundum einmal abgesteppt. Wichtig dabei ist, dass die Stofflagen richtig glatt im Liegen mit Sicherheitsnadeln aufeinander gesteckt wurden, damit man keine Falten näht.

Es ist geschafft, ein Fazit

Ziemlich genau ein Jahr habe ich nun an der Decke gearbeitet (mit einigen längeren Unterbrechungen) Es stecken mit Sicherheit an die 150 Stunden Arbeit in der Decke, aber ich finde es hat sich absolut gelohnt. Die Kinder finden die Decke toll, sie regt zum Geschichten ausdenken an und ist später sicherlich ein schönes Erinnerungsstück. Auch wenn ich ein paar Sachen anders machen würde, bin ich total froh, dass ich mich diesem Projekt gestellt habe.